Direkt zum Inhalt

Primary tabs

Datum

Jens Spahn ist also nun zurückgetreten. Wie oft ich mir das in den letzten Jahren gewünscht habe, weiß ich gar nicht genau. Spahn war für mich in der CDU immer der Mann für unpopuläre Meinungen. Er konnte vorpreschen, um sie im Diskurs zu etablieren. Es hat ihn auch gar nicht gestört, wenn er deswegen einen Shitstorm abbekam – der Punkt war gesetzt. Damit ist die CDU lange gut gefahren. Jetzt, da seine persönlichen Lebensentscheidungen selbst zum politischen Thema geworden sind, wird der Druck zu groß und er tritt zurück. Na ja, eigentlich nicht so ganz. In seinem Brief an die Fraktion bemängelt er die verhärtete Stimmung in Deutschland und beschreibt sich als jemand, der diese verhärtete Debattenkultur selbst zu spüren bekommt. Für mich wirkt das wie eine erste Positionierung für eine spätere politische Rückkehr.

Man sollte jetzt aber nicht allzu viel Häme über ihn ausschütten, sondern sich vielmehr mit dem eigentlichen Thema, der Leihmutterschaft, befassen. Das ist ein Thema, das viele Menschen betrifft, nicht nur queere Paare. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann sehr belastend sein. Dabei darf die Situation der Frauen, die die Schwangerschaft austragen, nicht aus den Augen verloren werden. Hier müssen die Rechte der Frauen und der Kinder gewahrt werden. Wo finanzielle Interessen im Vordergrund stehen, besteht die Gefahr, dass wirtschaftlich benachteiligte Frauen unter Druck geraten oder ihre Notlage ausgenutzt wird. Diese Interessen und Rechte müssen diskutiert und gegeneinander abgewogen werden.

Ich würde mir wünschen, dass hier eine konstruktive Diskussion entsteht. Gerade bei gesellschaftlichen Themen enden Debatten heute häufig in gegenseitigen Vorwürfen, anstatt die unterschiedlichen Positionen sachlich gegeneinander abzuwägen.

Kategorie