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Tantallon Castle ist eine monumentale Burgruine aus dem 14. Jahrhundert an der Südküste des Firth of Forth in East Lothian, Schottland. Die Festung liegt etwa 5 Kilometer östlich von North Berwick auf einem hohen Kliff mit spektakulärem Blick auf den Bass Rock. Tantallon Castle gilt als die letzte mittelalterliche Vorhangmauer-Burg Schottlands und zählt zu den eindrucksvollsten Küstenfestungen des Landes.
Geschichte und Bau: Die Burg wurde um 1350 von William Douglas, 1. Earl of Douglas (ca. 1327–1384), erbaut. Douglas war ein Neffe von Robert the Bruce's Gefährten Sir James Douglas und wurde 1358 zum Earl of Douglas erhoben. Tantallon sollte als Statussymbol seinen neuen Status widerspiegeln. Die strategisch geschickt platzierte Burg nutzt die natürlichen Klippen auf drei Seiten als Schutz – nur zur Landseite hin musste eine gewaltige, 15 Meter hohe und 3,6 Meter dicke rote Sandstein-Vorhangmauer errichtet werden.
Die Burg blieb im Besitz der Douglas-Familie und wurde zur Heimat der Red Douglases (im Gegensatz zu den Black Douglases der Hauptlinie). George Douglas, der illegitime Sohn des Earls, erbte sowohl Tantallon als auch den Titel Earl of Angus von seiner Mutter Margaret Stewart, 3. Countess of Angus. 1397 heiratete George Douglas Prinzessin Mary Stewart, Tochter von König Robert III., wodurch die Red Douglases eng mit dem Königshaus verbunden waren.
Belagerungen und Konflikte: Tantallon Castle wurde mehrfach belagert und widerstand den meisten Angriffen erfolgreich. Die erste große Belagerung fand 1491 durch König James IV. statt, nachdem Archibald „Bell-the-Cat" Douglas, 5. Earl of Angus, ein verräterisches Abkommen mit England getroffen hatte. Die Burg ergab sich jedoch ohne größere Schäden.
Die berühmteste Belagerung ereignete sich 1528 durch König James V. Der 16-jährige König belagerte die Festung 20 Tage lang mit schwerer Artillerie, darunter die Kanonen „Thrawinmouth", „Mow" und ihre Partner-Kanone, die von Dunbar Castle geliehen wurden. Trotz massivem Beschuss konnte die königliche Armee die Burg nicht einnehmen, da der tiefe Außengraben verhinderte, dass die Geschütze nahe genug an die Mauern gebracht werden konnten. Als der König die Belagerung aufhob, startete der Verteidiger einen Gegenangriff und erbeutete die königliche Artillerie. Archibald Douglas, 6. Earl of Angus, schrieb später, dass noch nie so viel Mühe, Arbeit und Kosten für die Eroberung einer Burg aufgewendet worden seien – und sie dennoch entkommen sei.
Die letzte Belagerung 1651: Während des Dritten Englischen Bürgerkriegs wurde Tantallon im Februar 1651 von Oliver Cromwells Truppen belagert. General Monck führte 2.000 bis 3.000 Soldaten mit schwerer Artillerie gegen nur 91 Royalisten unter Alexander Seton, Viscount of Kingston. Nach 12 Tagen intensiven Bombardements wurde eine Bresche in den Douglas Tower geschlagen. Die tapferen Verteidiger ergaben sich unter ehrenvollen Bedingungen. Nach dieser Belagerung wurde Tantallon nie wieder repariert oder bewohnt und verfiel zur eindrucksvollen Ruine, die heute zu besichtigen ist.
Architektonische Besonderheiten: Die massive rote Sandstein-Vorhangmauer erstreckt sich über 50 Meter und verbindet drei Türme: den Mid Tower (Torhaus), den Douglas Tower (Ostturm) und den Sea Tower (Westturm). Die Wehrgänge und Zinnen bieten spektakuläre Ausblicke über die Nordsee zum Bass Rock mit seinen Seevogelkolonien. Eine Nachbildung einer historischen Kanone steht am Fuß des Ostturms. Die Burg ist ein herausragendes Beispiel für mittelalterliche Militärarchitektur aus dem 14. Jahrhundert.
Moderne Geschichte: 1944 spielte Tantallon Castle eine Rolle bei den Vorbereitungen für die Invasion in der Normandie (D-Day). Erbeutete deutsche Würzburg- und Freya-Radarsysteme wurden zur Burg gebracht, um RAF-Bomberbesatzungen zu trainieren. Diese sollten durch präzises Auswerfen von Aluminiumstreifen auf deutschen Radarschirmen riesige Scheinflotten erzeugen und so die Deutschen über den tatsächlichen Landungsort täuschen. Die Technik wurde erfolgreich in der Nacht vor dem D-Day eingesetzt.
Heute steht Tantallon Castle unter der Verwaltung von Historic Environment Scotland und zählt jährlich etwa 46.000 Besucher. Die Burg diente auch als Drehort für Filme wie „Under the Skin" mit Scarlett Johansson und den Bollywood-Klassiker „Kuch Kuch Hota Hai".
56.05638889, -2.65
Near North Berwick
East Lothian
EH39 5PN
Schottland